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Der Chef der Ulmer Sparkasse Manfred Oster bei einem Gespräch mit lokalen Medien 



 

Sparkassenchef Oster im Gespräch mit Quasselstrippe / 14.5.2011


Wichtiger Hinweis: Der nachfolgende Text ist eine Satire.
Das Gespräch zwischen Herrn Oster und dem Wirt Quasselstrippe fand in Wirklichkeit nie statt. Der Wirt hat sich das alles nur ausgedacht. Mit diesem Hinweis auf die Textsorte kommen wir der Bitte eines Pressesprechers der Sparkasse Ulm nach.

DF
Herr Oster, Ihr Lebensmotto lautet: „Anständig bleiben“ und „Alles Gute und Edle ist einfacher Art“. Wir gehen also davon aus, dass sie im Gespräch immer bei der Wahrheit bleiben.
Ist die Sparkasse Ulm die einzige Bank auf der Welt, die keinen Gewinn machen möchte?

Oster
Wie kommen Sie bloß darauf?

DF
In der Halbjahrespressekonferenz der Sparkasse Ulm im Juli 2010 sagten Sie wörtlich: „Für Sparkassen steht nicht das Streben nach Rendite oder Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern ihr öffentlicher, am Gemeinwohl orientierter Auftrag“

Oster
Na ja. Das heißt ja nicht, dass wir ganz auf Profit verzichten.

DF
Also liegt die Gewinnerwartung der Sparkasse Ulm unter der des Chefs der Deutschen Bank Josef Ackermann?

Oster
Ja, so ist es. Wir wollen keine 20 Prozent.

DF
Können Sie mit Ihrem Prinzip, am Gemeinwohl orientiert zu sein, Ihre gigantischen Neubaupläne vereinbaren?

Oster
Was heißt denn schon gigantisch?

DF
Das neue Hauptgebäude hat 16000 Quadratmeter Fläche. Dazu kommt ein weiterer Neubau mit geschätzten 6300 Quadratmetern. Dann ist da noch Ihr Neubau von 2006 beim Rathaus. So viel Arbeitsfläche braucht kein Bundesministerium in Berlin.

Oster
Sehen Sie, unsere Geschäftsphilosophie ist Nähe, Vertrauen und Verlässlichkeit. Deshalb müssen wir ganz nah beim Kunden sein. Das gilt auch für unsere Mitarbeiter ohne Kundenkontakt.

DF
Die Bürger Ulms wollen sicher keinen hässlichen Kasernenbau, wie Sie ihn planen. Sind das Wohl der Stadt Ulm und das Wohl der Sparkasse nicht zwei Paar Stiefel?

Oster
Wie gesagt: Wir sind am Prinzip des Gemeinwohls orientiert.

DF
Verstehe. Sie investieren in weniger als zehn Jahren fast 100 Millionen Euro in drei Neubauten. Für eine Übergangszeit von drei Jahren zahlen Sie für den Umbau des alten Jung-Gebäudes, in das Sie vorübergehend ziehen, 1,5 Millionen Euro. Und dann noch Miete. Ist das alles nicht etwas übertrieben?

Oster
Wir müssen unsere internen Betriebsabläufe optimieren, um noch effektiver im Interesse unserer Kunden zu arbeiten. Wir müssen unsere Kräfte bündeln.

DF
Mein Onkel ist seit 1960 Kunde der Sparkasse. Er sagt, durch Kontoführungsgebühren, den im Vergleich zu anderen Banken überhöhten Kreditzinsen und zu niedrige Zinsen für Anlagen habe die Sparkasse in 50 Jahren an ihm etwa 89.000 Euro zusätzlich verdient. Was sagen Sie meinem Onkel, der sich über die Sparkasse Ulm ärgert?

Oster
Sein Geld ist in guten Händen. Wir bauen ihm dafür Neubauten, die sich architektonisch gut in die Stadtmitte einfügen und wirtschaftlich sind.

DF
Das wird ihn trösten. Da er selbst viele Jahre beim Militär gedient hat, werden ihm Ihre kasernenartigen Neubauten, die auch der Tradition der Garnisonsstadt Ulm verpflichtet sind, sicher gut gefallen.

Oster
Wir möchten ein zweckmäßiges Gebäude. Wir möchten keinen Prachtbau. Wir möchten einen schlichten Bau.

DF
Herr Oster, hatten Sie keine Angst, dass die achtköpfige Jury einen Entwurf auswählt, der Ihnen und Ihrer Bank nicht passt?

Oster
Nein. Es ist alles nur eine Frage der Organisation. In der Jury sitzt neben mir der Herr Oberbürgermeister Gönner. Wenn der auf Ihrer Seite ist, klappt das schon.

DF
Wie geht das?

Oster
Wie gesagt: Sie müssen alles gut organisieren. Sie müssen in der Vorbereitung viel kommunizieren.

DF
Heißt das, dass Sie vorher mit Nething und Gönner abgesprochen haben, wie die von Ihnen gewünschte neue Sparkasse aussehen soll?

Oster
Kommunikation ist in unserer modernen Gesellschaft überaus wichtig.

DF
Verstehe ich Sie richtig: Es stand von Anfang an fest, dass der Planungsauftrag an Nething gehen wird.

Oster
Sie wissen doch, dass wir einen Architektenwettbewerb veranstaltet haben.

DF
Ja, wozu denn überhaupt?

Oster
Damit in der Öffentlichkeit nicht der völlig falsche Eindruck entsteht, über die Neubaupläne der Sparkasse Ulm sei nicht ganz demokratisch entschieden worden.

DF
Vor einem solchen „Wettbewerb“ müsste ja auch die Sparkasse in Neu-Ulm keine Angst haben, da am Ende – bei guter „Vorbereitung“- auch der Bauplan ausgewählt würde, den der Vorstand für gut hält.



Oster
In die internen Entscheidungen der Sparkasse Neu-Ulm mische ich mich nicht ein. Wir in Ulm sind für demokratische Entscheidungen…

DF
…bei denen am Ende das rauskommt, was der will, der bezahlt, und den Auftrag derjenige erhält, der am Ort Gewerbesteuer entrichtet und Einfluss hat. Herr Oster, wir danken Ihnen für das Gespräch.