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Sido rappt - dem Roxy-Geschäftsführer auf der Nase herum /15.4.07

Er wird dieses Jahr 27 Jahre alt, ist im Märkischen Viertel von Berlin aufgewachsen und heißt Paul Würdig. Die Schule mußte er wegen Drogenkonsums verlassen, er leidet unter Schuppenflechte und interessiert sich für Musik. So weit klingt alles relativ normal. Sein Künstlername ist „Scheiß in dein Ohr“ oder „superintelligentes Drogenopfer“, kurz Sido, jetzt weiss der interessierte Beobachter: der ist nicht ganz normal.

Sido ist heute im Roxy in Ulm zu Gast, und er wird Werke zu Gehör bringen, die von frauenverachtender sexueller Perversion handeln, von den Lebensumständen der Underdogs im Ghetto Märkisches Viertel („mein Block“) und vom Drogenkonsum („Endlich Wochenende“). Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte Titel von ihm. Der Künstler pflegte bis vor Kurzem mit silberfarbener Totenmaske zum Auftritt zu erscheinen. Stefan Raab empfing ihn in seiner Fernsehsendung TV total.

Darf Sido in einer Veranstaltungshalle auftreten, die der Stadt Ulm gehört?

Ja, sagt der Roxy-Geschäftsführer, Thomas Rothacker, weil ein Auftrittsverbot nur zur Folge hätte, dass der Künstler in der Donauhalle seine Fans beglücke und der Reiz an seinen Gigs nur erhöht werde. Ja, sagt der Oberbürgermeister, weil ein Auftrittsverbot vor Gericht keinen Bestand habe, solange Sido keine indizierten Titel vortrage. Nein, sagen Vertreter von Arbeiterwohlfahrt und Caritas, ein Schulleiter aus Dornstadt und die SPD-Fraktion, weil durch pornografische und gewaltverherrlichende Texte die Grenzen des guten Geschmacks weit überschritten werden und die Jugendlichen geschützt werden müssen.

Der Hip-Hop-Mann Sido kann sich ins Fäustchen lachen, denn das kommerzielle Konzept seiner Berater geht wieder einmal auf. Gezielte Provokation, z.B. durch obszöne Texte, und eine umständliche öffentliche Diskussion, führen zur Umsatz- und Ertragssteigerung.

Ein juristisches Herangehen (Gönner) greift viel zu kurz. Keine Frage, den entscheidenden Fehler hat der Roxy-Geschäftsführer gemacht. Wenn man als Veranstalter ästhetische und ethische Ansprüche hat („soziokulturelles Zentrum“), gibt es dort für Sidos keinen Platz. Das ist anders, wenn nur kommerzielle Ziele verfolgt werden. Die „Aufklärungsarbeit“ zusammen mit Streetworkern vor dem Auftritt Sidos ist eine reine Alibi-Aktion. Im Nebenzimmer unseres Gasthauses () jedenfalls dürfte dieser Rapper nicht auftreten. Erstaunlich ist allerdings auch, warum die Eltern es nicht schaffen, ihre Kids davon abzuhalten, einem Rattenfänger hinterherzurennen, dem durch seinen übermäßigen Drogenkonsum das letzte bisschen Verstand und Anstand abhanden gekommen ist.