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Fluch des Löwenmenschen oder Abderas Befreiung / 16.3.08

Vergangenen Freitag war Narziss Häberle bei uns im Donaufisch. Er ist einer der bedeutendsten Heimatdichter Abderas. Demnächst wird ein neues Buch von ihm erscheinen, es trägt den Titel „Abderas Befreiung“. Über die Ereignisse, die Häberle zu seinem Buch inspirierten, berichteten wir an anderer Stelle. Der Autor verriet uns nun, wovon sein neuer Roman, den er ganz in der Tradition Tolkiens sieht, handelt. Noch vor das deutsche Feuilleton sich mit dem Buch befassen wird, wollen wir unsere Leser exklusiv informieren.

Im Museum der Stadt Abdera steht der 32000 Jahre alte Löwenmensch, eine Statuette geschnitzt aus dem Elfenbein eines Mammuts. Seit seiner Entdeckung in einer Höhle führt der Löwenmensch, den Wissenschaftler für das Abbild eines Druiden aus den Frühzeiten halten, ein Schattendasein. Doch dann geschieht die schmähliche Schandtat : Eine türkische Putzfrau stößt bei ihren sonntäglichen Reinigungsarbeiten mit ihrem verlängerten Rücken gegen die Glasvitrine und bringt diese zum Umstürzen. Die Figur stürzt auf den Parkettboden, die Würde des Druiden ist verletzt, das Unheil scheint nun nicht mehr aufzuhalten.

Die folgenden Wochen bleibt die Katastrophe unentdeckt, da die Raumpflegerin die Figur selbst wieder reparierte und in die unversehrt gebliebene Glasvitrine zurückstellte. Doch mehreren sich Zeichen des Unheimlichen ...Ein Kunstmanager produziert zwanghaft riesige Löwenmenschen, er arbeitet wie besessen, niemand ahnt, was im Kopf und in der Seele des armen Menschen vor sich geht. Verstößt er doch mit seinen Nachbildungen gegen ein Gesetz Abderas, das „eherne Kunstgesetz“.
Statt dem Treiben ein Ende zu setzen verkündet das gewählte Oberhaupt der Stadt, ein im ganzen Land ob seiner kaufmännischen Vernunft bekannter Mann, dass die Abbilder des Löwenmenschen, überall in den Straßen und auf den Plätzen aufgestellt werden sollen... Die Angst geht um, aber kaum einer vermag zu erkennen, dass sich hier ein dunkler Fluch entfaltet und zerstörerische Kräfte sich anschicken, die Herrschaft über Abdera zu erringen, um die Schandtat einer türkischen Putzfrau zu sühnen.

Wann wird die steinerne Armee der Löwenmenschen zum Leben erweckt? Erringen die Krieger die Herrschaft über die Stadt? Rauben sie den Bürgern ihre Freiheiten und machen sie zu Sklaven? Die Lage scheint hoffnungslos. Doch da naht Rettung. Eine Handvoll kluger Bürger besiegt ihre Angst und gelangt auf opferreichem verschlungenem Pfad zur Erleuchtung. Wie ihre Ahnen es einst taten, wenn ihre Gemeinschaft von Feinden bedroht wurde, gründen die klugen Bürger „Das Bündnis der Wissenden“, einen eingetragenen Verein. Nach zahllosen Auseinandersetzungen und Kämpfen kommt es zum dramatischen Höhepunkt des Romanes von Narziss Häberle : Auf dem Platz vor der großen Kirche Abderas wird das eherne Kunstgesetz laut verlesen, das vom Wesen und den Aufgaben der Kunst handelt und von der Achtung vor der Kunst. Da bricht der Bann: Kunstmanager und Stadtoberhaupt erwachen aus ihrer Trance und blicken verwundert um sich, die steinernen Krieger zerbröseln zu feinstem Staub, die Menschen jubeln, heben ihre Erlöser auf die Schultern und tragen die Helden vom Bündnis der Wissenden durch die ganze Stadt.

Wir glauben, Narziss Häberle gelingt mit diesem Buch der große Wurf; damit wird Abdera auch endlich in den Artikeln großer Zeitungen und Zeitschriften Deutschlands als eine der wichtigsten Kulturstädte Europas Erwähnung finden, vor deren Kulisse einer der wundersamsten Romane deutscher Gegenwartsliteratur spielt.