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SSV Ulm wieder vor der Pleite / 17.4.08

2002 war der große Ulmer Verein zahlungsunfähig und musste in ein Insolvenzverfahren. Der Grund der Katastrophe lag darin, dass führende Funktionäre des Vereins viel zu viel Geld in die Fußballabteilung gesteckt hatten. Sie hatten sich erhofft, ganz oben im deutschen Fußball mitspielen zu können. Diese Illusion bezahlten nicht die ehemaligen Funktionäre, sondern die Gläubiger des SSV Ulm.

Seitdem sind sechs Jahre vergangen. Nun ist es wieder soweit In der neuesten Bilanz weist der SSV einen Verlust von 700000.- € aus, also doppelt so viel wie im vergangenen Bilanzjahr. Außerdem sitzt der Verein noch auf einem Schuldenberg von 3,6 Millionen € bei Banken.

Warum schafft es der Verein, warum schaffen es die Vorstandsmitglieder Katja Adler, Joachim Maus und Heinrich-Roger Staak nicht, die Finanzen zu ordnen?

Die Gründe lassen sich einfach benennen: Diejenigen, die beim SSV etwas zu sagen haben, wollen sich nicht damit abfinden, dass dieser Verein nicht auf dem Gebiet des Spitzensportes tätig sein kann, sondern ein Verein des Breitensportes ist. Deshalb verhallen alle Appelle zur Sparsamkeit, deshalb wurden aus der finanziellen Katastrophe von 2002 keine wirklichen Lehren gezogen.

Um mit der ersten Fußballmannschaft möglichst weit oben mitspielen zu können, braucht ein Verein teures Personal. Der frühere Abteilungsleiter des SSV Armin Birzele, der 2007 sein Amt aufgeben musste, und der Geschäftsführer Reinhold Eberhardt, der vor wenigen Tagen rausflog, bereiteten Verträge mit Spieler vor, die die Personalkosten innerhalb eines Jahres von 500.000 € auf 1 Million € ansteigen ließen.

Der jetzt amtierende Vorstand schaute dieser Personalkostenexplosion zu, mehr noch: er unterzeichnete selbst die Verträge mit den Spielern. Damit ist klar : Für die aktuelle Finanzkrise des SSV ist der Vorstand verantwortlich, nicht nur die Personen, die schon aus Funktionsposten entlassen wurden.

Auch dieses Mal zahlen die Zeche nicht die Funktionäre, sondern die Steuerzahler. Im Dezember 2007 erhielt der SSV von der Stadt Ulm ein zinsloses Darlehen in Höhe von 300.000 €; jetzt wird die Rückzahlung bis auf Weiteres verschoben und dazu ein städtischer Zuschuss von 250.000 € gewährt. Außerdem erhält der SSV rückwirkend zum 1.1. 70.000 € zusätzlich zu den 240.000 €, die die Stadt für die Nutzung des Bades pro Jahr an den SSV zahlt.

Der Hauptausschuss des Ulmer Gemeinderates hätte gut daran getan, dem SSV den städtischen Zuschuss zu verweigern. 12000 Mitglieder und 550 ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins haben einen wirklichen Neuanfang verdient. Die Zeit des Durch- und Weiterwurstelns muss nun endgültig vorbei sein. Die Vereinsführung ist ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Zuerst muss der Vorstand zurücktreten und damit zu seiner Verantwortung stehen. Dann erst können die Weichen im Verein neu gestellt und eine finanzielle Sanierung eingeleitet werden. Gönner und der Ausschuss haben einen schweren Fehler gemacht. Gönner wohl auch deshalb, weil er seine Parteifreundin nicht hängen lassen wollte.