Donaufisch - das erste virtuelle Gasthaus Ulms
Sie sind hier: Rezensionen Axel Hacke  
 REZENSIONEN
Wilhelm Genazino
John Irving
J.R.Moehringer
Ian McEwan
Amelie Nothomb
Richard Yates
Martin Mosebach
Michel Houellebecq
Pascal Mercier
Irene Dische
Axel Hacke
Bohumil Hrabal
Philip Roth
Christian v.Ditfurth
Milan Kundera
Amelie Fried
Paul Watzlawick
Jon Krakauer
Martin Walser
Uwe Dick
Clemens Meyer
Vandana Shiva
Johannes Schweikle

 

Axel Hacke, Der weiße Neger Wumbaba (2004)

Sie haben Sinn für Humor und lachen gerne? Finden aber das, was uns das Fernesehen an „comedy“ vorsetzt, meist eher zum Gähnen oder zum Heulen? Dann sollten Sie Texte von Axel Hacke lesen, einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung. Dort erscheinen regelmäßig Kolumnen von Hacke, wunderbare Texte, die durch einen Humor bezaubern, der niemanden verletzt und sich über niemanden lustig macht. Viele seiner Texte hat der Journalist in einer Reihe von Büchern einer literarisch interessierten Öffentlichkeit vorgelegt.

Ein kleines Büchlein, das aus Hackes Feder stammt und mit Illustrationen von Michael Sowo versehen ist, spürt dem Phänomen des Falschverstehens nach und trägt folgerichtig den Untertitel „Kleines Handbuch des Verhörens“. Die meisten von Ihnen werden das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius kennen. Dort heißt es:

Der Wald steht still und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.“

Können Sie sich vorstellen, dass sich jemand verhört und anstelle des letzten Verses „der weiße Neger Wumbaba“ versteht? Tatsächlich vorgekommen und Hacke hält die „Verhörer“ für einen kreativen Segen. Verhören beflügelt, so philosophiert der Autor, die kindliche Fantasie über Jahre bis zur Aufklärung des Irrtums oft viel stärker, als es der Originaltext vermocht hätte.

Aus unzähligen Briefen, die Hacke von Zeitungslesern erhielt, erfuhr er von so vielen falsch verstandenen Lied- und Songtexten, dass er genügend Material für ein Büchlein zusammenhatte. Bei dessen Lektüre werden Sie auf zum Teil erstaunliche Neuinterpretationen von Texten stoßen, die Sie seit Ihrer Kindheit oder Jugendzeit kennen. Von „Hänschen klein“, „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ über Madonna (La Isla Bonita) bis hin zu den Beatles und BAP (Verdamp lang her) werden Ihnen Beispiele präsentiert, die zeigen, dass alles mißverstanden werden kann.

Ganz nebenbei werden Sie auch noch auf eine amüsante Art mit der geistesgeschichtlichen Seite des Verhörens vertraut gemacht, indem Hacke Ihnen erzählt, was Goethe, Thomas Mann und Karl Valentin zu dem Thema zu sagen hatten.



Axel Hacke, Der weiße Neger Wumbaba. München 2004. 63 S. 8,90 €

Axel Hacke, Ich sag s euch jetzt zum letzten Mal. München 2000. 152 S. 10,90 €

Axel Hacke, Das Beste aus meinem Leben. München 2003. 284 S. 9,90 €