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Bangen um Braunfels‘ Bröselbeton / 20.10.2011
Vor einer Woche erreichte uns eine erschütternde Nachricht. Die vom Architekten Stephan Braunfels in München erbaute Pinakothek der Moderne musste geschlossen werden. Täglich kommen 1000 Interessierte in das Museum, seit Dienstag, den 11.10.2011, ist es keinem Besucher mehr zugänglich. Die „Lange Nacht der Museen“ konnte dort nicht stattfinden, zwei geplante Ausstellungen mussten ebenfalls abgesagt werden.
Der Grund für die Schließung der „Pinakothek der Mängel“, wie sie die Süddeutsche Zeitung nannte, sind gravierende Bauschäden. Im September 2002 war das Museum eröffnet worden, 121 Millionen Euro hat es gekostet, und nun zeigt es nach neun Jahren Mauerrisse in der Rotunde, also dem Foyer der Pinakothek, das von einer Lichtkuppel überwölkt ist.
Die gravierenden Schäden machten die Errichtung eines Gerüstes erforderlich. In den kommenden Wochen soll eine Untersuchung durch Fachleute durchgeführt werden. Bereits 2007 wurden Risse entdeckt, allerdings nahm man sie nicht ernst und beschränkte sich auf kosmetische Ausbesserungsarbeiten.
Die Untersuchungen sollen aufklären, woher die Schäden in der Vorsatzschale der 21 Meter hohen Rotunde kommen, wer dafür verantwortlich ist und ob das Problem früher hätte erkannt werden können. Während die Haftungs- und Gewährleistungsansprüche der Bauunternehmen verjährt sind, haftet der Architekt Braunfels 30 Jahre lang.
Eine Vermutung, warum es im Mauerwerk zu Rissen kam, wurde auch schon geäußert: Nach Braunfels Plänen wurden die Betonteile der Rotunde aus einem Stück gegossen, die Mauern sollten bündig sein. Braunfels verzichtete aus ästhetischen Gründen auf die sonst üblichen Dehnungsfugen. Seit Jahren lasse sich beobachten, dass der Beton schwinde, sagte der Leiter des Bauamtes München Kurt Bachmann.
Braunfels selbst sucht die Ursachen für die bedenklichen Schäden in den Sparzwängen, die ihm der Freistaat Bayern als Bauherr seinerzeit auferlegt habe. Nur 500 Euro hätten pro Kubikmeter Bausubstanz zur Verfügung gestanden. 1000 Euro hätten es mindestens sein müssen.
Für die Ulmer sind diese Nachrichten aus München eine Katastrophe. Zwei der drei Bauten ihrer Neuen Mitte wurden von Stephan Braunfels geplant, den sein Freund Alexander Wetzig, der Ulmer Baubürgermeister, in die Donaustadt geholt hat. Müssen die Ulmer nun auch damit rechnen, dass der Sparkassen- und der Inhoferbau in wenigen Jahren Risse bekommen und zerbröseln?
Der Wirt vom DF ist davon überzeugt, dass Stephan Braunfels gute Arbeit geleistet hat und die Ursachen für die Betonschäden nicht in fehlenden Dehnungsfugen zu suchen sind. Bereits vor Jahren machten Forscher auf eine Tierart aufmerksam, die schwerste Schäden in Bauwerken anrichtet. In unserem Video (unten!)sehen Sie einen TV- Bericht aus den siebziger Jahren, der sich mit diesem Tier beschäftigt, von dem Zoologen bis dahin glaubten, es sei ausgestorben.
Was auch immer die Gutachter über die Beschaffenheit der Betonmauer in der Pinakothek der Moderne herausfinden werden, wann auch immer die Neue Mitte Ulms zu Staub zerfallen wird: Braunfels‘ und Wetzigs Ruhm in aller Welt wird nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, denn diese beiden genießen überall außergewöhnliches Ansehen.
Erst heute wurde bekannt, dass Braunfels und Wetzig von der in Palermo ansässigen Ehrenwerten Gesellschaft mit dem Geldwäschepreis 2012 ausgezeichnet werden. Wie jedes Jahr geht dieser Preis an Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens, die es, „in ganz hervorragender Weise geschafft haben, Geldtransaktionsgeschäfte zu tätigen, deren Hintergründe selbst von Spitzenkräften der Justiz kaum durchschaut werden können“.
Wer solche Anerkennung findet, kann auch mit Gelassenheit reagieren, wenn das eine oder andere Bauwerk nicht optimal realisiert werden konnte.
Vergleiche den Artikel
Risse in der Rotunde / Süddeutscher Zeitung vom 11.10.2011
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