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Das Geheimnis der Ulmer Pyramide / 1.11.07
In Ulm steht eine Glaspyramide, die, nach den Plänen des bekannten Architekten Gottfried Böhm erbaut, von den Bürgern als Stadtbibliothek genutzt wird. Diesen Sommer geriet das moderne Gebäude in die öffentliche Kritik, nachdem alle technischen Anlagen versagt hatten, die es Menschen ermöglichen sollten, sich bei starker Sonneneinstrahlung und hohen Aussentemperaturen in dem Glasgebäude aufzuhalten.
Die Krankentransportdienste musste etliche ältere Besucher der Bibliothek zur ärztlichen Behandlung in die Universitätsklinik bringen, im benachbarten Rathaus wurde zeitweilig ein Notlazarett eingerichtet, in dem Bibliotheksbenutzer versorgt werden konnten, die unter diversen Unpässlichkeiten litten.
Nun steht der Winter vor der Tür und es droht neues Ungemach : Muss, so fragt sich die Bibliotheksverwaltung, im Falle eines extrem kalten Winters die Institution für einige Wochen geschlossen werden, weil die Kosten für die Beheizung zu hoch wären? Eine interne Studie der SWU schätzt die Kosten für die Beheizung der Glaspyramide auf annähernd so hoch wie die gesamten Heizkosten aller städtischen Gebäude. Dem Vernehmen nach soll der städtische Finanzbürgermeister gesagt haben, dass Ulm angesichts der enorm steigenden Energiepreise nicht in der Lage sei, die Kosten für die Beheizung der Stadtbilbliothek zu tragen. Die Bibliotheksverwaltung prüft derzeit, ob eine Umlage der Heizkosten auf die Benutzergebühr möglich ist. Bibliotheksdirektor Jürgen Lange schätzt, dass sich durch eine Umlage ein Bibliotheksausweis von bisher jährlich 20.- € auf etwa 350.- € erhöhen würde.
Das eher nebensächliche Problem der mangelhaften Schallisolierung von Teilen des Baukörpers konnte durch die Eigeninitiative der Bibliotheksbesucher gelöst werden : Wer beim Lesen Lärm nicht vertragen kann benutzt einfach Ohropax.
Neueste Ereignisse lassen gar befürchten, dass die Ulmer Glaspyramide in ihrer Existenz bedroht sein könnte. Am 31.10.2007 erreichte die Stadt Ulm ein Schreiben aus Paris. Darin kündigt der Bürgermeister der französischen Metropole eine Klage seiner Stadt an. In dem Brief heißt es wörtlich : “... da es sich bei dem von Herrn Böhm geplanten Gebäude um eine einfallslose Kopie der Pyramide im Innenhof des Louvre handelt, die in den Jahren 1985 bis 1989 von Ieoh Ming Pei erbaut wurde, sehen wir uns gezwungen, den Europäischen Gerichtshof anzurufen, um zu erreichen, dass die rechtswidrige Kopie eines Kunstwerkes umgehend beseitigt wird.“
Den Oberbürgermeister Ulms erreichte diese Nachricht mitten in einer extrem gut besuchten Wahlkampfveranstaltung, auf der die Bürgermeisterkandidaten über die neuesten Vorschriften zur farblich abgestimmten Präsentation von Obst und Gemüse auf dem Ulmer Wochenmarkt diskutierten.
Gönner sagte, die Klage des Pariser Bürgermeisters habe gewiss keine Aussicht auf Erfolg. Böhm habe in Absprache mit ihm die Pyramide gewählt, weil diese schon im alten Ägypten Grabstätte der Pharaonen gewesen sei. Auch hier in Ulm sei langfristig geplant, die Glaspyramide als Begräbnisstätte verdienstvoller Würdenträger zu nutzen. Er selbst hoffe, in ferner Zukunft in der Pyramide eine letzte Ruhestätte zu finden, ganz nahe dem Ort, an dem er dann ein halbes Menschenleben lang zum Wohle der Bürger gewirkt habe. Kein Gericht der Welt werde den Abriss einer Grabstätte verlangen.
Abbildung: Pyramide in Ulm -