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Schavan im Gespräch mit Quasselstrippe / 7.9.08

In den vergangenen Wochen war der Chefredakteur der lokalen Presse unterwegs und besuchte einige Damen der Ulmer Elite. Leider gelang es dem Journalisten nicht, mit den Frauen ein persönliches Gespräch zu führen. Die Dialoge erbrachten nur langweilige, längst bekannte Informationen, Erhellendes über die Persönlichkeit der Gesprächspartnerinnen erfuhr der Leser nicht. Deshalb schickten wir vom Donaufisch Quasselstrippe los. Er brachte Interviews mit, die uns die Sprache verschlugen. Sein erstes Gespräch führte Quasselstrippe mit der Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Frau Ministerin! Ich habe Düsseldorfer Alt, Klosterfraumelissengeist und selbst gemachten Likör nach einem alten Rezept meiner Großmutter mitgebracht. Was darf ich Ihnen anbieten?

SCHAVAN: Ich trinke selten Alkohol. Gelegentlich bei Abendgesellschaften ein Gläschen. Aber jetzt am Morgen?

Eine so bedeutende Frau wie Sie, Frau Ministerin, sollte sich nicht durch Regeln gängeln lassen, die nur für Wesen gemacht sind, die sich nicht selbst regieren können.

SCHAVAN: Also schön. Aber nur weil Sie es sind. Als Literaturliebhaberin schätze ich Ihre facettenreichen Texte. Dieser Wertschätzung wegen möchte ich Sie nicht brüskieren

O, Frau Ministerin, Sie beschämen mich!

SCHAVAN: Likör, bitte!

(Nach einem etwa einstündigen Vorgespräch und einigen Gläsern Likör und Altbier beginnt unser Interview)

Fangen wir mit den Fragen zum Urlaub an, Frau Ministerin. Finden Sie es nicht ätzend, 13 Jahre hintereinander am Bodensee Urlaub zu machen?

SCHAVAN: Doch! Aber mir bleibt keine Wahl. Die Berater sagen, um in der CDU in Baden-Württemberg zu punkten, reicht es nicht, katholisch zu sein. Als unverheiratete, kinderlose, allein lebende Frau brauchst Du zumindest das Image, bodenständig zu sein.

Also mehr Pflicht denn Neigung?

SCHAVAN: Was sonst? Könnte ich noch ein Gläschen von dem wunderbaren Ingwerlikör haben? (Gießt sich selbst ein)

Wen würden Sie auf eine einsame Urlaubsinsel mitnehmen, Frau Ministerin?

SCHAVAN: Leonardo DiCaprio vielleicht. Oder Brad Pit. Irgendwas junges Knackiges halt. Langweile Dödel hab ich in Berlin genug. Prösterchen, meine liebe Quasselstrippe! Wollen wir nicht „Du“ sagen? (Wir stoßen an.)

Haben Sie … Hast Du unerfüllte Urlaubswünsche, Annette?

SCHAVAN: Ich glaube, das kann ich nicht sagen, das ginge jetzt zu weit.

Liebe Annette, Du sagst immer, Du seist ganz normal, auch als Ministerin seist Du ganz normal geblieben und hättest nicht abgehoben, überhaupt seien die meisten Politiker ganz normale Menschen …

SCHAVAN: …also ich bin schon normal…aber das mit den anderen Politikern war gelogen. Als Ministerin hab ich ja eine Verantwortung für die Glaubwürdigkeit des Systems. Apropos Glaubwürdigkeit: Ich glaub, ich trink noch ein Gläschen von dem wunderbaren Likör.

Wie jeder Promi, der nach seinen Hobbies gefragt wird, hast auch Du, liebe Annette, neulich gesagt, dass Du gerne kochst. Der Langer kocht auch. Möchtest Du nicht mal mit dem zusammen was brutzeln? Für arme Ulmer in der Pauluskirche vielleicht? Kommt sicher gut an!

SCHAVAN: Nö! So wie der Langer aussieht, kocht der ganz anders als ich… Und das Rezept für dieses edle Tröpfchen stammt also tatsächlich von Deiner Großmutter? (Ich gieße nach)

Annette! Du wohnst hier in einer zum Luxusquartier umgebauten ehemaligen Kaserne. Warum?

SCHAVAN: Ich könnt Dir jetzt was erzählen vom schönen Blick auf Ulm ... Aber das ist Quatsch! Ich bewundere Napoleon. Und hier oben hat Napoleon Bonaparte im Oktober 1805 gestanden, und die besiegten Österreicher mussten an ihm vorbeimarschieren und ihre Waffen ablegen. Tausende Männer mussten zu Kreuze kriechen…

Ah ja, verstehe, historisches Bewusstsein…

SCHAVAN: Nö, nur ein geiles Gefühl…So wie beim Fliegen!

Der Flug von Stuttgart nach Zürich mit einem Bundeswehrhubschrauber im Mai, um dort einen Vortrag zu halten, verursachte viel Ärger. „Verschwendung öffentlicher Mittel“, sagten viele. Hans Herbert von Arnim warf Dir vor, Deinen Amtseid zu verletzen…

SCHAVAN: (lacht) Der Arnim ist nur neidisch, weil er immer mit seiner Karre fahren muss und noch nicht mal einen Chauffeur hat…Ich sag Dir, Quasselstrippchen, es ist unbeschreiblich: Du besteigst den Hubschrauber, die feschen Herrn in Uniform salutieren, und dann geht s ab in die Lüfte – das ist berauschender als Likör trinken! Kennst Du den Roman von Erica Joung, Angst vorm Fliegen? (Ich gieße unsere Gläser nochmals voll)

Über Erica Joung sollten wir jetzt nicht sprechen. Das ginge zu weit. Bleiben wir bei der Politik. Was ist nach den Ferien die größte Herausforderung für Dich, liebe Annette?

SCHAVAN: Herausforderung? Tja, ich muss diesen blöden Bildungsgipfel im Oktober vorbereiten. Dabei habe ich in der Bildungspolitik sowieso nichts zu melden. Ländersache! Du verstehst? Aber man tut halt so, als sei man wichtig. So sind die Regeln. Ich könnte ja mal wieder vorschlagen, in allen 16 Bundesländern die gleichen Schulbücher zu verwenden. Was meinst Du? Da wären 16 Minister gleich ganz oben auf der Palme…(lacht)

Du liebst Ulm. Wie lange möchtest Du noch Abgeordnete für Ulm bleiben?

SCHAVAN: Tja, Liebe ist das nicht direkt. Ich sitze halt seit drei Jahren für dieses Kaff im Bundestag. Eigentlich wollte ich nie in die Provinz. Aber man braucht halt einen Wahlkreis. In einem Wahlkreis mit einem angestammten Platzhirsch, hast Du keine Chance, Kandidat zu werden. Die Ulmer CDU ist personell so ausgeblutet, die sind immer froh, wenn jemand kommt und kandidiert…

Frau Ministerin, ich danke Dir vielmals für das Gespräch. Und wenn Du mal wieder raus willst aus der Berliner Tretmühle – ruf an, ich hab noch einige Flaschen Ingwerlikör.

(Ich gieße noch einmal nach. Wir stoßen an.Prösterchen!)