Donaufisch - das erste virtuelle Gasthaus Ulms

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Ein Pressesprecher der Sparkasse Ulm ruft an / 16.5.2011


Heute erhielt der Wirt des Gasthauses einen Anruf.

Am Telefon war ein Pressereferent der Sparkasse Ulm, der etliche Einwände und Bedenken gegen den Beitrag „Sparkassenchef Manfred Oster(Ulm) im Gespräch“ vorzubringen hatte.

Der Vorstandsvorsitzende Manfred Oster habe dem Wirt Quasselstrippe nie ein Interview gegeben. Wie es denn sein könne, dass im Donaufisch ein Gespräch mit Herrn Oster abgedruckt sei. Auch die Kommentare, die unter dem Beitrag stehen, riefen die Missbilligung des Pressesprechers hervor. Weit unter die Gürtellinie zielten diese. Keiner könne es hinnehmen, wenn über die Farbe seiner Krawatte gelästert oder über persönliche ästhetische Maßstäbe Bemerkungen gemacht würden.

Den Einwand, dass es sich bei dem „Gespräch“ um eine Satire handle, ließ der Pressesprecher nicht gelten. Nirgendwo stehe das. Kein Hinweis sei zu finden.

Auch die Aussage des Wirtes, dass jeder Besucher des Virtuellen Gasthauses Donaufisch wisse, dass der DF ein satirischer Blog sei, und auch im Blog selbst etliche Hinweise auf den satirischen Charakter zu finden seien, ließ der freundliche Pressesprecher nicht gelten; vielmehr "bat" er darum (er legte besonderen Wert auf die Feststellung, dass er „bitte“ und nicht „verlange“), dass der Blogbeitrag vom Netz genommen werde. Umgehend.

Der Wirt lehnte ab, deshalb schlug der Referent vor, den Beitrag als „satirischen“ Text zu kennzeichnen. Diesem Ansinnen stand nichts entgegen.

Als der Wirt zum Sparkassenreferenten sagte, er werde einen Artikel schreiben, der die Überschrift trage „Der Pressesprecher der Sparkasse Ulm interveniert“, entbrannte ein heftiger Disput über die Bedeutung der Vokabel „intervenieren“.

Der Sprecher meinte, „intervenieren“ sei stets mit negativer Bedeutung konnotiert. Seine Geduld schien am Ende und er sprach die Drohung aus: "Wir können auch anders".

Quasselstrippe regte an, einen Blick in den Duden zu werfen. Dabei werde man schnell feststellen, dass „intervenieren“ nur "dazwischentreten", "vermitteln" und "sich einmischen" bedeute und die Konnotationen des Referenten keineswegs allgemeingültig seien.

Wie auch immer: Satirische Texte als satirische Texte zu erkennen ist nicht leicht. Das mussten schon viele Autoren erfahren. Jetzt also auch der Wirt, der sich vielmals beim Sparkassenchef dafür bedankt, dass dieser ihm ausrichten ließ, gerne zu einem Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Ohne die Zusage allerdings, dass in diesem Gespräch auch über die Abkehr vom hässlichen und überdimensionierten Neubau der Sparkasse im Herzen Ulms verhandelt wird, muss der Wirt dieses Angebot ausschlagen.