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Professor Häusler trifft Napoleon – oder Die Marke Ulm / 4.11.09
Zum Stammtisch kommt regelmäßig der Münchener Designer VerQuert, der überall in der Welt den besten Ruf genießt. Wir baten ihn, ein Logo zu kreieren, das die innige Freundschaft zwischen Napoleon und der Stadt Ulm zum Ausdruck bringt. Heute erreichte uns seine schriftliche Antwort:
Lieber Wirt,
leider fällt mir auch nach unendlich langem und intensivem Nachdenken kein Logo ein, das die innige Beziehung Napoleons mit der Donaumetropole adäquat zum Ausdruck bringen würde. Jeglicher Versuch diese graphisch darzustellen, würde der wahren Tiefe der Beziehung nicht annähernd gerecht und muss daher aus Respekt unterbleiben.
Allerdings wurde mir über einen Bekannten, dessen Schwager mit einer Frau befreundet ist, deren Mutter mit einem Beamten bekannt war, dessen Tochter in der Schweiz lebt und deren Sohn im gleichen Lokal zu speisen pflegt wie die Sekretärin Professor Häuslers, ein Dokument zugespielt, das die Entscheidung des Professors in einem neuen Licht erscheinen lässt bzw. verständlich macht.
Und zwar handelt es sich bei dem Dokument um eine Mitschrift einer Séance, die der Professor, damals bereits an der Aufgabe verzweifelt, besuchte. Er sah diesen Schritt als letzten Ausweg, den Ulmer Stadtvätern doch noch ein passables Ergebnis abliefern zu können. Leider fehlt das Ende und wir wissen nicht, welch schreckliche Offenbarung Napoleon dem Professor machte, dass dieser sich umgehend veranlasst sah, seinen Auftrag samt Honorar nebst weiteren 5.000 Euro kommentarlos abzugeben...
Nachstehend nun also die Mitschrift, von der ich hoffe, dass sie für Historiker wie auch für interessierte Bürger weiter zur Erhellung des Verhältnisses zwischen Napoleon Bonaparte und der Donaumetropole Ulm beitragen wird und das Scheitern Häuslers zu erklären vermag.
Mit den besten Wünschen
VerQuert
Professor Dr. Häusler:
Napoleon? Napoleon, sind Sie's?
Napoleon Bonaparte:
Wer wagt ös, misch in meinör Ru'ö zu störön?
Professor Dr. Häusler:
Oh, Excellenz, Kaiserliche Hoheit, Hochwohlgeborener ...
Napoleon Bonaparte:
A' merde! Lass er dass Gequatschö, was will er von mir, Cretin?
Professor Dr. Häusler:
Oh, nur eine Kleinigkeit, sehr verehrter Herr. Es mag für Sie, Verzeihung, für Ihn nur eine Bagatelle sein, für die Stadt Ulm und für mich wäre es aber von enormer Wichtigkeit, wenn er sich in das Jahr 1809 zurückversetzen könnte und uns kurz seine ihm sicherlich in Erinnerung gebliebenen Eindrücke dieser wunderschönen Stadt schildern möge.
Napoleon Bonaparte:
1809? Il es fou! Er ist verrückt! Ein spinnör! Wachö! Schafft sie mir diesön Imbécile aus meinön Augen, 'infort! Wachööö!
Professor Dr. Häusler:
Ich befürchte, Ihro Gnaden muss derzeit ohne den Schutz seiner Leibgarde auskommen.
Napoleon Bonaparte:
Magnifique! Alors, also gut, isch versuche misch su - wie sagte man? 'a, su erinnörn.
A' ja, isch se'ö noch vor mir diese Stück Papier mit diese Vertrag zu unterzeichnen von die Bavaroise um su geben Ülm an Württömbärsch.
Professor Dr. Häusler:
Herrlich! Excellenz können sich also erinnern?
Napoleon Bonaparte:
Oui, aber très dünkel ...
Professor Dr. Häusler:
Kann er sich vielleicht auch noch an das liebreizende Städtchen erinnern, das ihm damals einen solch überschwänglichen Empfang bereitet hat?
Napoleon Bonaparte:
Liebreizönd? Übörschwänglisch? Diesös eruntergökommenö Kü'dorf mit seinö unappötitlischö Bewo'nör? Die abön sisch doch alle vor Angst in die 'Osen geschissön! 'ö 'ö. Isch liess extra ein Strassö, a', ein Trampölpfad erleuschten, damit mein Kutsch nischt aus verseön in ein Kloake rütscht! Der Gestank war nischt su ertragen!
Professor Dr. Häusler:
Ah, ja, äh, gut, Aber hat er denn nicht all die freundlichen Menschen in Erinnerung, die ihm so fröhlich zugejubelt haben?
Napoleon Bonaparte:
Frölisch sugejubölt? In Fronkreisch wir abön enterrements, Beerdigungön, die sind lustischer!
Die Leutö warön eine Beleidigung für jede sivilisierte Augö. Obwo'l die wo'nön an eine grosse Flüss, sie 'abön evidemment noch nie ge'ört sisch zu waschön! Oder su pütsen les dents, ihrö Sä'nö! Hätte isch ein bisschön mö'r Seit gö'abt, isch 'ättö mein Armä die Leute bei Rasierön 'elfön lassön ... 'ö, 'ö, 'ö.
Leidör isch müsste weiter so diese muffölischö Kü'dorf durfte weitör su die 'immöl stinkön!
Professor Dr. Häusler:
Ach ja, ha, ha. Hm. Gut, also. Tja. Gibt es vielleicht wenigstens irgendetwas Winziges, eine Ihm unwichtig erscheinende Kleinigkeit, die Ihm positiv in Erinnerung geblieben ist?
Napoleon Bonaparte:
Oui! Dieu soit loué! Gott sei Dankö! Mein Aufönt'alt in diesö patelin, diesö Kaff, war nach 277 Minute su ende! Fini!
Professor Dr. Häusler:
Oh...