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Plädoyer für eine kinderfreie Stadt in einem kinderfreien Land / 24.4.04
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, verehrter Leser. Mir jedenfalls geht diese Verlogenheit vieler vor allem „öffentlicher Personen“ ganz gewaltig auf die Nerven. Nur wer gegen den Strom schwimmt, sagt Stanislaw Lem, kommt zur Quelle.
Wir werden zur Zeit regelrecht bombardiert mit Statements, in denen gefordert wird, Familien stärker zu fördern und nichts unversucht zu lassen, die Menschen hier wieder dazu zu bringen, Kinder zu bekommen und sie großzuziehen.
Dabei haben uns die Klugen längst vorgemacht, wo der richtige Weg langgeht: Frauen, die es zu etwas bringen wollen, dürfen sich nicht mit Kindern belasten. Männer, die sich dem beruflichen Fortkommen verschrieben haben (und wer könnte es sich leisten, anders zu denken in unserer Gesellschaft), dürfen ihre Energien nicht im neurotischen Morast einer Kleinfamilie vergeuden.
Wir wissen das aus der Vita unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel und aus dem Leben unserer Wahlkreisabgeordneten und Bundesministerin Annette Schavan, und wir konnten es an unserem vormaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder studieren..
Der moderne Mensch weiss trotz aller Vernebelungsversuche, dass er ohne Kinder in unserer Gesellschaft ein besseres Leben führen wird. Die Masche, öffentlich Wasser zu predigen und heimlich Wein zu trinken, zieht nicht mehr. Kinder machen Mühe und Arbeit, bereiten viel Ärger, absorbieren unvorstellbare Mengen Kraft, sind eine Garantie für lebenslange Sorgen und kosten von der Geburt bis zur Selbstständigkeit (auf einer soliden Ausbildungsbasis) so viel wie ein Reihenhaus in einer guten Wohngegend.
Ja aber, sagen unsere Politiker, wir haben doch einen Generationenvertrag, wir haben Sozialsysteme – das funktioniert doch nur, wenn Kinder da sind, die heranwachsen und später über Steuern und Sozialabgaben die Kassen füllen, aus denen das alles bezahlt wird.
Seien wir doch einfach etwas flexibler im Denken: Warum nicht eine andere Einwanderungspolitik? Einwandern darf, wer erwachsen ist, gute Bildungsvoraussetzungen mitbringt und die in unserem Land herrschende Einstellung zur Arbeit, zur Familie und zu Kindern teilt. Eine bestimmte Spielart des Outsourcings sozusagen: Andere Ländern liefern das hier benötigten Potenzial an Arbeitskräften und Steuerzahlern – und das genau zur richtigen Zeit, in der richtigen Menge.
Wir können durch eine solche Politik nur gewinnen: Die Menschen können sich wieder ganz auf die Ökonomie konzentrieren, wir sind die lästigen Quälgeister los, die Eltern und Lehrer gleichermaßen an den Rand ihrer nervlichen Belastbarkeit treiben, der Staat spart unvorstellbare Summen in der Familien- und Bildungspolitik...
Jeder, der nachdenkt, kommt nicht um den zwingenden Schluss herum: Unsere Zukunft liegt in der kinderfreien Stadt in einem kinderfreien Land. Postindustrielle Leistungsgesellschaft, hedonistische Lebensorientierung und Kinderidylle – das passt nicht zusammen.
Der homo oeconomicus braucht keine Kinder. Und hat er nicht angesichts der weltweiten Überbevölkerung und unserer globalen Umweltprobleme auch in moralischer und politischer Hinsicht Recht?
Ulm und Neu-Ulm im April 2010. / 11.4.2010
Beide Städte werden Kinderhorte schließen - Einrichtungen, in denen Kinder eine pädagogisch wertvolle Betreuung erhalten. Begründet wird das mit der Notwendigkeit zu sparen. Die betroffenen Eltern werden mit dilettantischem Gelaber abgespeist. Bürgermeister üben sich in leicht durchschaubarer Vernebelungs- und Beschwichtigungstaktik.
In Ulm trägt die Verantwortung für die Schließung Bürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle, in Neu-Ulm ist es der sozial(?)demokratische Bürgermeister Gerd Hölzel. Verantwortlich für die praktische Durchführung ist in Ulm der Grüne Markus Kienle, der erst vor kurzem beachtliche Karriere in der Ulmer Stadtverwaltung machte.