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Richard Yates, Zeiten des Aufruhrs (1961)
Richard Yates' Roman „Zeiten des Aufruhrs“ erschien erstmals 1961 in den USA. Er erzählt die Geschichte des jungen Ehepaares April und Frank Wheeler. Sie leben Mitte der 50er Jahre mit ihren beiden Kindern in einem Haus mit Garten in „Revolutionary Hill“, einer Neubausiedlung in Connecticut in der Nähe von New York.
In der Familie herrscht die traditionelle Rollenteilung : April kümmert sich um die Kinder und den Haushalt, Frank arbeitet als Verwaltungsangestellter einer New Yorker Firma, die Geräte für Büros herstellt und vertreibt, darunter den „Knox 500“, den ersten Firmencomputer. Die Wheelers zählen nur das Ehepaar Campbell zu ihren Freunden, die anderen Nachbarn sind ihnen zu spießig. Mit Milly und Shep Campbell treffen sie sich öfters zu einem gemeinsamen Abend zu Hause oder zum Besuch eines Tanzlokals. Dem oberflächlichen Blick eines Nachbarn präsentieren sich die Wheelers als ganz normale junge Familie; in Wirklichkeit stecken sie, wie der Leser schon nach kurzer Lektüre erfährt, in einer schlimmen Krise.
April ist unglücklich in ihren Rollen als Mutter, Hausfrau und Partnerin, und sie gibt sich keine Mühe, dies vor ihrem Mann zu verbergen. Ihr Versuch, als Laienschauspielerin Anerkennung und Bestätigung zu erhalten, scheitert kläglich. Frank hat den „ödesten Job“ der Welt, den er seinerzeit nur angenommen hat, um seine Frau und das erste Kind, das ungeplant (und unerwünscht) unterwegs war, ernähren zu können. Interesse für seine Arbeit und Anerkennung seiner Leistungen kann er von seiner Ehefrau nicht erhalten. So herrscht in der Familie oft Streit, die sexuelle Beziehung der Eheleute ist gestört und es spricht einiges dafür, dass die Liebe,falls es sie in dieser Beziehung überhaupt einmal gegeben haben sollte, dahingegangen ist.
In dieser ausweglosen Situation ergreift April mit einem radikalen Plan die Initiative : sie schlägt Frank vor, Job und Haus aufzugeben, mit den Kindern nach Paris überzusiedeln und es ihr zu überlassen, bei einer internationalen Organisation das Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen, während Frank, endlich erlöst von den Fesseln des verhassten Jobs, ohne Druck herausfinden könnte, wozu er in seinem Leben wirklich berufen ist. Der Ehemann hat Einwände, doch er kann überzeugt werden; nun beginnt für die Beiden eine Zeit der Zufriedenheit und der Zuversicht, ihre emotionale Beziehung wird intensiv und lebendig. Die Vorbereitungen kommen gut voran, die Nachbarn und die New Yorker Firma sind informiert und der Hausverkauf ist in die Wege geleitet, da nimmt die Geschichte erneut eine überraschende Wende : April ist schwanger ...
„Zeiten des Aufruhrs“ ist ein zentrales Werk der amerikanischen Nachkriegsliteratur, das unverkennbar mit dem europäischen Gesellschaftsroman verwandt ist, wie wir ihn von Theodor Fontane und Gustav Flaubert kennen. Der exzellent aufgebaute Roman erzählt in klarer, schnörkelloser Sprache eine dramatische Geschichte und verbindet diese gekonnt mit Elementen der Komödie( z.B. wenn Howard und Helen Givings auftauchen. Howard hat sich angewöhnt, sein Hörgerät abzuschalten, wenn er vom endlosen Gerede seiner Frau genug hat, doch diese bemerkt es nicht einmal).
Interessant und aktuell ist Yates' Roman heute genauso wie vor 35 Jahren, denn er behandelt eine Frage, die sich für jede Zeit und jede Generation und jede Gesellschaft immer wieder neu stellt : Hat die Institution Ehe in einer modernen Gesellschaft überhaupt noch eine Chance oder ist sie ein Anachronismus?
Richard Yates, Zeiten des Aufruhrs. 2004. 359 Seiten. 12 .- €