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Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Zufällig fiel mein Blick neulich auf das kleine Büchlein von Paul Watzlawick, das vor über zwanzig Jahren nach der Lektüre im Regal verschwunden war. Mit großem Vergnügen las ich es wieder . „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist ein fantastischer Ratgeber, den keiner, der sich für menschliche Kommunikation interessiert und Humor schätzt, verpassen sollte.

Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors ist die Annahme, dass Glück und Glücklichsein keine erstrebenswerten Lebensziele seien. Den Beleg für seine These findet Watzlawick in der Weltliteratur, die ihre Themen nicht aus menschlichem Glück schöpfe, sondern aus der Tragödie, dem Verbrechen und der Sünde. Ausgehend von dieser Prämisse umreißt der Psychologe seine Aufgabe, die er darin erkennt, den Dilettanten auf dem Gebiet des Unglücklichseins mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen.

Zur Erzeugung von Unglück eignet sich vieles, ein spezieller Umgang mit der eigenen Vergangenheit (z.B. Verherrlichung) ebenso wie die Autosuggestion, zu deren Perfektionierung Watzlawick zahlreiche Übungen vorstellt, die helfen sollen, sich mit Erfolg alles Mögliche einzureden.

Auch die intensive Vergegenwärtigung aller Gefahren, die das alltägliche Leben bereithält, ist geeignet, Unglücksgefühle hervorzurufen. Eine andere Möglichkeit bietet die Technik der selbsterfüllenden Prophezeiung, die beispielsweise dazu genutzt werden kann, um völlig harmlose Mitmenschen in üble Zeitgenossen zu verwandeln, die tuscheln, heimlich lachen und konspirieren.

Wenn ein geübter Mensch alleine schon über so viele Techniken verfügt, um sein Unglück zu vergrößern, welche Dimensionen eröffnen sich ihm dann erst in der Interaktion mit anderen? Will ein Unglücksaspirant in der „barocken Hölle menschlicher Beziehungen“ mit irgendeinem Partner rasch in Schwierigkeiten kommen, braucht er nur die Objekt- und Beziehungsebene (Bertrand Russell) durcheinander zu bringen. In der Praxis sieht das so aus: Angenommen, Ihr Lebenspartner hätte gekocht und würde Ihnen nun beim Essen die Frage stellen: „Diese Suppe ist nach einem ganz neuen Rezept – schmeckt sie dir?“ Wie könnten Sie antworten, wenn Sie die Suppe abscheulich fänden? Nur eine Lüge oder außergewöhnliches diplomatisches Geschick und sprachliche Kompetenz würde Ihnen aus dieser Zwickmühle helfen. Aber darum geht es ja gar nicht. Solche Fragen sind bestens geeignet, um Unglück zu vergrößern – und diese Technik will der Leser ja erlernen. Watzlawick hat noch eine Menge Tipps parat, wie Sie gezielt zum Scheitern menschlicher Kommunikation beitragen können. Aber darüber sollten Sie sich selbst informieren. Es lohnt sich.





Zur Vorbereitung noch ein Besipiel, die „Anweisung einer jüdischen Mutter“ :

Schenken Sie Ihrem Sohn zwei Sporthemden. Wenn er zum erstenmal eines der beiden anzieht, blicken Sie ihn traurig an und sagen Sie : „Das andere gefällt Dir nicht?“



Gebundene Ausgabe: 144 Seiten.Verlag: Piper; Auflage: 7 (März 2007)