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Allgemein:
Jon Krakauer, In der Wildnis. Allein nach Alaska.
Chris McCandless feiert am 12.Mai 1990 in Atlanta seinen sehr guten Universitätsabschluss, zur offiziellen Abschlussfeier sind auch seine Eltern und seine Schwester aus Washington angereist. Nach ihrer Rückreise schickt ihnen der Sohn einen kurzen Brief mit wenigen Bemerkungen zu seinem Abschlusszeugnis, das er beifügt. Dann hören die Eltern nichts mehr. Deshalb reisen sie im August erneut in den Süden und hören vom Hausmeister, dass Chris sein Zimmer bereits im Juni aufgegeben hat. Wohin er ging und wo er sich jetzt aufhält, erfahren sie nicht. Er ist spurlos verschwunden und auch ein von den Eltern beauftragter Detektiv kann nichts herausfinden. Im August 1992 wird in der Wildnis Alaskas am Stampede Trail in einem alten ausrangierten Bus die Leiche eines Mannes gefunden. Schwierige Ermittlungen der Polizei führen zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem verhungerten Menschen um Chris McCandless handelt.
Der Journalist Jon Krakauer erhielt den Auftrag, die Geschichte zu recherchieren und einen Artikel zu schreiben. In der Januarausgabe der Zeitschrift Outside von 1993 erschien sein Bericht; dieser löste bei den Leser so viele Reaktionen aus, wie sie die Zeitschrift bis dahin noch nicht erlebt hatte. Krakauer ließ die Geschichte McCandless' nicht mehr los. Er begab sich erneut auf die Spurensuche. Ein Jahr lang trug er alle Details zusammen, die er über die zweijährige Irrfahrt Chris McCandless vom Südosten der Vereinigten Staaten in den Westen und weiter bis nach Mexiko, von dort schließlich bis in den hohen Norden nach Alaska finden konnte. Wie ein Detektiv fügt Krakauer Mosaikstein an Mosaikstein und deckt so eine tragische Geschichte und ihre Wurzeln auf. Dabei schöpft der Autor aus allen Quellen : er sammelt Briefe und Postkarten McCandless, studiert dessen Notizbücher und Zettel, beschäftigt sich mit Fotos und Büchern , die bei der Leiche entdeckt und mit Markierungen und Randbemerkungen versehen worden waren. Krakauer besucht alle Orte, an denen der Tote auf seiner Reise gewesen war, er spricht mit Reisebekanntschaften, dem Vater, der Mutter und der Schwester . Das Ergebnis von Krakauers Arbeit ist die 300 Seiten lange Reportage „In der Wildnis“, ein Buch spannender als viele Kriminalromane.
Die Spannung rührt einmal daher, dass der Leser nach und nach erfährt, wie es zum Tod McCandless' kam; zum anderen resultiert sie aus dem Versuch, Antworten auf einige Fragen zu finden. Was für einen Charakter hatte Chris McCandless? Welches Leben führte er bis zu seiner Reise? Wie waren seine Beziehungen zu Menschen? Welchen Einfluss hatte das Verhältnis zwischen Sohn und beruflich überaus erfolgreichem Vater? Gab die Entdeckung eines Familiengeheimnisses letztlich den Ausschlag zu neuen Ufern aufzubrechen? Es ist nicht häufig, dass die Behandlung psychologischer und philosophischer Fragen so anschaulich erfolgt und damit den Leser so zu fesseln vermag.
Broschiert 304 Seiten. Verlag: Piper; Auflage: 6 (Oktober 2007)