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Allgemein:
Stadtwerke Ulm, Herr Berz und das Golfspiel/ 5.9.2009
Eine Million Euro verpulvert
Auf der Suche nach ökologisch sinnvollen Formen der Stromerzeugung beteiligten sich die Stadtwerke Ulm (SWU) gemeinsam mit den Kollegen aus Ettlingen und drei Privatfirmen an einem Projekt. Unweit von Karlsruhe sollte in Malsch ein Biomassekraftwerk entstehen. Mitte April 2009 waren die Kraftwerksanlagen fast betriebsbereit, aber die Betreiber pleite. In Ulm verweigerte der Aufsichtsrat der SWU weiteres Geld (immerhin!). Das Malscher Kraftwerk beantragte Insolvenz. Die Ulmer Stadtwerke verloren insgesamt eine knappe Million. Grund des finanziellen Engpasses waren gravierende Planungsfehler: Ursprünglich sollte das Biokraftwerk 11 Millionen Euro kosten, 2009 gehen inoffizielle Schätzungen von 25 Millionen aus. Das entspricht einer Preissteigerung von 127 Prozent.
Wir fragen uns:
Wie haben Matthias Berz als SWU-Chef und Ivo Gönner als Vorsitzender des Aufsichtsrates das Projekt Biomassekraftwerk und die Kostenkalkulation vor ihrer Entscheidung geprüft?
Warum war es bei der Vorbereitung nicht vorhersehbar, dass eine Trocknungsanlage für die zu feuchte Biomasse gebraucht wird?
Eine solche Investitionsentscheidung bedeutete für einen Privatmann einen herben Verlust, u.U. sogar eine Katastrophe. Für Herrn Berz und Herrn Gönner bleibt eine Million verlorene Euro folgenlos; am Ende wird der Kunde der Stadtwerke Ulm die Rechnung bezahlen. Der Kommentar der Ulmer Lokalpresse zum verpulverten Geld lautete: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt…Das wird die Stadtwerke nicht umhauen…Dass die Stadtwerke in das Projekt eingestiegen sind, kann der Chefetage aber nicht vorgehalten werden.“ (SWP vom 17.4.2009)
Eine Million Dollar zu gewinnen
Als Privatmann interessiert sich der alleinige Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH Matthias Berz für Golf. Sein großer Traum ist der Besuch des „legend golf & safari resort“ in Südafrika. Was dort nur fünf Autostunden von Soweto (South Western Township), einem Stadtteil von Johannesburg, geboten wir, ist einfach spektakulär.
Stellen Sie sich doch bitte, verehrter Strom- und Gaskunde der SWU, einmal eine 18-Loch-Anlage vor, in die ein 430 Meter hoher Berg integriert ist (Super! Oder?). Mit dem Hubschrauber werden Sie auf den Gipfel geflogen zum Abschlag in das 19. Loch. Die 1800 Quadratmeter große Putingfläche liegt nun in den Umrissen Afrikas (Super originell! Nicht wahr?) vor Ihnen, 587 Meter entfernt. Und jetzt, verehrter SWU-Kunde, kommt der Megahammer: Während der von Ihnen abgeschlagene und mit einem Computerchip versehene Ball durch die Lüfte fliegt, verfolgen ihn vier (!) Kameras. 24 Sekunden braucht der Ball bis zum Aufschlag auf dem Boden; und während dieser Zeit können Sie den Flug verfolgen, der auf einen Großbildfernseher übertragen wird (Super! Oder?)
Diese sportliche Betätigung verlangt Ihnen allerhand an Selbstbeherrschung ab und zeigt Ihnen Ihre Grenzen auf, verehrter SWU-Kunde. Dafür werden Sie aber auch belohnt: Sie können abschalten und vergessen, peinigende Erinnerungen an misslungene Geschäfte und Verluste verblassen.
In diesem Golfparadies können Sie, verehrter Kunde der SWU, noch mehr erreichen: Sollte es Ihnen gelingen, aus 587 Meter Entfernung mit dem ersten Schlag einzulochen, gewinnen Sie eine Million US-Dollars; damit hätte Sie dann die Verluste beinahe wieder ausgeglichen, die Herr Berz und Herr Gönner in Malsch erleiden mussten.