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Eichhorn spricht Kiezdeutsch

 

Reinhold Eichhorn spricht Kiezdeutsch / 12.3.2011


Es heißt immer, der Schwabe sei maulfaul und alles andere als ein begnadeter Redner. Dass dem nicht so ist, bewies vor zwei Monaten der Ulmer Gemeinderat und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Reinhold Eichhorn.

Vor laufender Kamera gab er zu dem hochbrisanten politischen Thema der milliardenteuren Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes folgendes Statement ab:

„Ja, den Schlichterspruch hab ich so erwartet.
Em Herrn Geissler bricht isch ja nix anders übriggeblieben.
Ich befürworte des, dass die S 21 jetzt verwirklicht wird.
Und wenn dann S 21 plus mit diesem – äh – Zugaben, könnat mir Ulmer ja nur zufrieda sein“


Diese Proklamation sorgte nicht nur in der ganzen Republik für Aufsehen; Eichhorn wird für seine Erklärung nun auch mit einer Auszeichnung geehrt, dem von der Uni Potsdam verliehenen „Sprachpreis Kiezdeutsch“.

Der durchschnittliche Sprecher der deutschen Sprache hat schnell ein Urteil gefällt:

"Gib mal Handy",
"Ich geh Donauwiese"
"Ich steige Willy-Brandt- Platz aus"
"Also mein Schule ist schon längst fertig." oder
"Man sieht es später halt, wenn man kein Arbeit hat."

Diese Sätze sind schlechtes und grammatikalisch falsches Deutsch.

Die Sprachwissenschaftlerin Professor Dr. Heike Wiese von der Universität Potsdam ist da anderer Meinung. Für sie bedeuten die Verwendung neuer sprachlicher Ausdrücke oder eine ungewöhnliche Satzstellung Kreativität. Falsch oder richtig spielt keine Rolle. Wichtig ist die Ausdruckskraft.

Die neu entstehende Sprache, die Professorin nennt sie Kiezdeutsch und vergleicht sie mit Dialekten, ist z.T. sehr komplex und schwer zu erlernen, meist entsteht sie in Großstädten und wird von türkisch oder arabisch stämmigen Jugendlichen kreiert.

Nun entdeckte die Professorin erstmals ein hervorragendes Beispiel für Kiezdeutsch in der süddeutschen Stadt Ulm. Sie war begeistert. Der Kiezdeutsch-Sprecher Reinhold Eichhorn wird seinen Preis am 27. März 2011 auf dem Schloss Sanssouci in Potsdam entgegennehmen.


Hier gehts zum Originalstatment unseres Preisträgers Reinhold Eichhorn