Sie ist eine wundervolle Künstlerin. Mit Herzenswärme. Pathos ist ihr fremd. Sie erscheint natürlich, bodenständig, glaubwürdig. Seit über fünfzig Jahren steht sie auf der Bühne. Ihr Erfolg hat sie nicht deformiert. Immer noch setzt sie sich für benachteiligte Menschen ein. Ihr politisches Engagement ist glaubwürdig. Neulich trat sie vor dem amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus auf. Im Februar gastierte sie in Augsburg. Auch der Wirt vom Donaufisch erinnerte sich daran, dass früher manches Liedchen von Joan Baez hier im Virtuellen Gasthaus gesungen wurde.
Am 15.8.1969,. also heute vor vierzig Jahren begann im Bundesstaat New York ein Musikfestival, an dem eine halbe Million junger Menschen teilnahm. Drei Tage lang träumten sie den Traum von Frieden, Liebe und einer anderen Welt.
Neben vielen großen Musikerinnen und Musikern trat auch Jimi Hendrix auf. Zur Erinnerung an Woodstock wird heute im Donaufisch der Dylansong „All along the watchtower“ gespielt, den Hendrix einzigartig interpretierte.
Wie kam ich bloß hierher, an diesen Ort, an dem ein Mann zu Unrecht mit Vorwürfen überhäuft wird? Wo dessen ständige Klage über falsche Bezichtigungen ungehört verklingt in der Menge Einsamer, die um ihn herumsteht?
Es sind Binsenweisheiten, wenn sie sagen, jeder brauche Protektion und jeder werde stürzen. Sind es schon Wahnvorstellungen, wenn ich mein Spiegelbild hoch oben über der Mauer sehe?
Klar, man kann alles ersetzen. Manche Wege sind lang. Warum erinnre ich mich an das Gesicht von jedem einzelnen, der mich hierher brachte?
In dieser Lage tut es gut zu wissen, dass meine Befreiung bevorsteht. Ein Licht, das von Ost nach West scheint, kündet davon.
Manche Dylantexte sind sehr kryptisch. Heute mag ich es lieber, wenn sich auch der Poet um eine Sprache bemüht, die ich verstehe. Aber vielleicht verstehen andere ja besser, was der gute Robert Allan Zimmermann uns sagen wollte.
Das Städtchen Ulm, Ihr glaubt es kaum, Hat einen wunderschönen Traum. Es möchte gern ein Adler sein, Kein Spatz , so unscheinbar und klein. Wer über Wolken hoch will schweben, Der darf nicht knausrig sein im Leben. Ein Traum wird wahr in dieser Welt Für den, der investiert viel Geld.
Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da Das Donaubüro ist wunderbar Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum Diese Idee haut jeden um.
Ein Mann, sehr sparsam und bescheiden, Soll fortan ein Büro hier leiten. Zur Tarnung pflegt er die Kultur Real beschafft er Geld uns nur. Direktor ist Herr Langer Peter, Im Umfang misst sein Leib zwei Meter. Den Bürger freut s und er ist froh, Ist stolz auf das Ulmer Donaubüro.
Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da Das Donaubüro ist wunderbar Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum Der Langer ist ein Unikum
Gebt Herrn Langer die Millionen! Er wird weit mehr aus Brüssel holen. Füllt unsre Kasse mit ganz viel Kohle Macht Ulm zur Eurometropole.
Verehrte Leser!
Hier endet das Lied vom Ulmer Donaubüro in der Version für den Optimisten. Für reife Erwachsene folgt nun der zweite Teil des Liedes: kurz, bündig und realistisch.
Die Krise herrscht, es fehlt das Moos, Dann ist in Brüssel auch nix los. In solchen Zeiten schließt die EU Selbst ihre Subventionskasse zu. So ist der Spatz am End der Esel Und heute weiß ein jeder Schnösel Ein Spatz bleibt unscheinbar und klein Wird nie ein stolzer Adler sein.
Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da Eine Schnapsidee die wurde wahr Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum Ganz Ulm liegt im Delirium.
Im April 2007 starb er. Vier Monate zuvor hatten die Ärzte die Krankheit diagnostiziert. Er hatte keine Chance und nur wenig Zeit, alle Dinge zu ordnen. Wir kannten uns seit unserem 12. Lebensjahr und waren sehr gute Freunde. Wir wussten alles über einander. In persönlichen Angelegenheiten sahen wir vieles ähnlich, unsere politischen Meinungen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Einen Teil unserer musikalischen Sozialisation erlebten wir gemeinsam. Beatles, Stones, Kings, Animals, Who. Es war immer unser Ehrgeiz, die faszinierendsten Stücke auf unseren Gitarren nachzuspielen. Im Juni 2003 reisten wir letztmals zu einem Konzert der Stones nach München, danach noch einige gemeinsame Konzertbesuche, klassische Musik. Er war einer der größten Fans der Rolling Stones, die ich kenne, und hatte alle ihre LPs und Singles. Am Ende der Trauerfeier, als sich die Türen der Aussegnungshalle zum Friedhof öffneten, erklang „wild horses“ und unter den Klängen dieses Songs machten sich die Trauernden auf zur letzten Ruhestätte.
„Play with fire“ wurde erstmals 1965 auf der LP „Out of our heads“ veröffentlicht.
…diese inständige Bitte erfüllt sich oft nicht im Leben, zumindest nicht, wenn sie sich an Menschen richtet, die wir über alle Maßen lieben. Andere, an denen unser Herz nicht so hängt, wollen bei uns bleiben. That‘ s life!
Stand by me wurde 1961 erstmals von Ben E. King aufgenommen, der den Song auch geschrieben und komponiert hat. Eine der bekanntesten Coverversionen stammt von John Lennon. Das Musikmagazin Rolling Stone führt den Song auf Platz 121 der „500 besten Songs aller Zeiten“.
Die beste Performance aber verdanken wir dem unbekannten Künstler Toni M. Er verkehrte vor langer Zeit regelmäßig im Donaufisch, als dieser noch im Fischerviertel residierte. Damals hatte auch Quasselstrippe nur Musik im Kopf; gemeinsam spielten die Beiden einige Male bei Sessions im Donaufisch.
Als Toni und der Wirt vor einigen Jahren ihren guten Freund Rolf-Dieter zu Grabe trugen, ergab sich für Quasselstrippe endlich mal die Gelegenheit, Toni neidlos zu sagen, dass e r Stand by me immer einmalig gut vorgetragen habe.
In Erinnerung an alte Zeiten spielt Quasslstrippe heute diesen Song.
Schließlich können wir am Stammtisch nicht immer über Ulmer Kommunalpolitik und schlitzohrige Politiker reden. Deshalb gibt es heute wieder etwas Musik. Was würde besser zu einem schönen sommerlichen Abend passen als ein Glas Rotwein und ein französisches Chanson?
Ein vom Stammtisch sehr geschätzter und verehrter Künstler ist der Sänger und Lyriker Georges Moustaki. Am 3.Mai 2009 feierte er seinen 75. Geburtstag. Ihm zu Ehren gibt es heute ein Ständchen vom Wirt. „ Le temps de vivre“ mit den fantasievollen Zeilen „tout es possible /tout es permis“
…dachten wir mal. Damals war für uns Bob Dylan ein Idol. „The times they are a-changing”, “A hard rain’s a-gonna fall”, “Hey, Mr. Tambourine man”, “Blowin in the wind” waren unsere Hymnen. Jeder, der Ende der 60er Jahre anfing Gitarre zu spielen, hatte bald irgendeinen Song Dylans in seinem Repertoire. Die guten Gitarristen versuchten sich alle an „All along the watchtower“, wie es virtuos von Jimi Hendrix interpretiert wurde. Unsere ignoranten Musiklehrer schüttelten bei Hendrix nur den Kopf. Wir hielten Dylan für ein Symbol des Aufbruchs, der Veränderung, der Rebellion. Er war trotzig und rotzig , in seine Texte ließ sich vieles hinein interpretieren – und das gefiel uns.
Vor ein paar Jahren las ich in der Frankfurter Rundschau eine Besprechung eines Dylan Konzertes. Der Rezensent nannte Dylan eine „quäkende Mickymouse“. Da musste ich lachen. Aus seinen Worten sprach große Enttäuschung, wie sie nur der erlebt, der zuvor von etwas oder jemandem sehr begeistert gewesen ist.
Erst viel später erfuhren wir, dass Dylan als junger Mann daran dachte, in eine Militärakademie zu gehen. Mit Verwunderung sahen wir, wie Herr Dylan dem Papst Johannes Paul II. ein Privatständchen darbrachte. Ich erlebte Dylan das letzte Mal vor ein paar Jahren bei seinem Konzert in Schwäbisch Gmünd: Da stand er in einem schnieken Anzug vor der Menschenmasse, Country-and-Western-Style. Es hätte nur noch gefehlt, dass John Wayne auf die Bühne getreten wäre, und sie gemeinsam über die Schönheit der Prärie und die Liebe zu ihrem Pferd gesungen hätten.
Wir ändern uns eben. Manches an uns nehmen wir lange nicht wahr oder wollen es nicht wahrnehmen. Und wir sind oft widersprüchlich. Sei s drum. Unser Leben ist eine Entdeckungsreise und bis morgen – bis die Zeit für eine (Selbst-)Erkenntnis reif ist, ist (manchmal) eine lange Zeit.
Zu unserem letzten Stammtisch erschien eine Freundin und wurde Zeugin einer seltenen Szene: Quasselstrippe hatte seine Laute vom Speicher geholt, entstaubt und war eben dabei, vor den Stammtischgästen ein Liedchen zum Besten gegeben. Das gefiel der Wirtshausbesucherin so gut, dass sie einen alten Text aus ihrer Schatztruhe suchte und den Wirt darum bat, ihn zu vertonen. Dieser lehnte ab: Bei dem Text handle es sich zwar um dadaistische Lyrik. Da er aber weder über Metrum noch Reime verfüge, eigne er sich nicht zur Vertonung. Dies wiederum veranlasste den Wortbastler Verquert, den Text zu überarbeiten. Nun war eine musikalische Bearbeitung möglich. Nimrod komponierte eine kleine Melodie und Quasselstrippe trägt sie vor.
Wenn Sie ein Kenner moderner Musik sind, werden Sie bemerken, dass Nimrod bei seiner Komposition geklaut hat. Von wem, wird nicht verraten.
Ernst Jandl, ottos mops - oder: Mit Jandl auf den Hund gekommen
Unter den Gästen des Wirtshauses Donaufisch sind auch einige Hundebesitzer. Um ihnen ein Vergnügen zu bereiten, haben wir heute ein vokallastiges Gedicht Ernst Jandls (1925-2000) ausgewählt, das in sehr knapper Form, die dramatische Geschichte eines Konfliktes zwischen Hund und Herr erzählt. Um es vorwegzunehmen: Am Ende wird (fast) alles gut.
Joachim Ringelnatz, Bumerang - oder: Gedichtinterpretation
Auch heute gibt es im Donaufisch wieder Poesie. Wir stellen ein Gedicht eines deutschen Lyrikers vor, der allgemein als humorvoll und sehr unterhaltsam gilt. Das von uns gewählte Beispiel zeigt indessen, wie sich Joachim Ringelnatz (1883–1934) in seinen Versen „Bumerang“ ohne Scham auf die Seite der herrschenden Klasse stellte, indem er das Volk (er spricht vom „Publikum“) gnadenlos verspottete. Aber überzeugen Sie sich selbst!
Die letzten Tage des Jahres sind für viele immer Anlass, Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen. Heinrich Heine (1797-1856) einer der humorvollsten, politischsten und sprachgewaltigsten deutschen Poeten hielt auch Rückschau. Besser gesagt, er ließ eine erfundene Figur, ein „lyrisches Ich“ zurückblicken, und zwar auf ein ganzes Leben. Es wäre kein typisches Gedicht des ironischen Heine, gäbe es da nicht beißende Verse. Den Stammgästen des Donaufisch wünschen wir ein besseres Leben, aber zunächst einmal einen gutes Jahr 2009.
Manchmal sind wir unfähig zu beurteilen, ob etwas, das wir erleben, gut oder schlecht für uns ist. Mascha Kaleko (1907-1975)hat dieses Thema in einem Gedicht verarbeitet. Da Quasselstrippe die letzten Monate an dieser Stelle sehr viel gelästert hat und seine Ausweisung aus der Freien Reichsstadt Ulm dem Vernehmen nach unmittelbar bevorsteht, sollen zum Jahreswechsel die kritischen Töne unterbleiben. Deshalb wenden wir uns jetzt am Donaufisch Stammtisch häufiger dem "Allgemein Menschlichen" zu.