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Eine Marmorstatue für Ivo Gönner/ 9.12.09
Er regiert Ulm seit 1991. Längst hätten wir Bürger ihm an exponierter Stelle der Stadt ein Denkmal errichten müssen. Die Geldknappheit der Stadt wird dies auf Jahre unmöglich machen. Deshalb wollten wir vom Donaufisch den Oberbürgermeister mit einem kleinen Lied würdigen und an seine Verdienste erinnern:
Dem OB Gönner verdanken wir, dass die Ulmer Bevölkerung gegenüber der Politik eine immer größere Gelassenheit an den Tag legt. Zum Ausdruck kommt diese Tugend in der sinkenden Wahlbeteiligung. Zweimal wurde seit Gönners Amtsantritt 1991 der OB gewählt; nach einer Beteiligung von 58 Prozent 1991 und 52 Prozent 1999 lag die Wahlbeteiligung im Dezember 2007 zuletzt bei 43 Prozent.
Unter Gönner wird seit 1991 konsequent die Politik der antizyklischen Konjunktursteuerung betrieben. Darunter verstand der Rathauschef bis vor kurzem, dass Ulm immer möglichst viel Geld ausgeben muss, um die lokale und regionale Wirtschaft am Laufen zu halten. Die stark ausgeprägte Neigung der (pietistischen) Ulmer Bevölkerung zu übertriebener Sparsamkeit konnte Dank Gönners Einsatz erfolgreich zurückgedrängt werden. Gleichfalls mit großer Gelassenheit schauen heute alle Ulmer auf den Anstieg der Verschuldung: 1991 hatte Ulm Schulden in Höhe von knapp 93 Millionen Euro, 2007 waren es knapp 138 Millionen Euro; das entspricht einem Anstieg von knapp 50 Prozent in einer Zeit, in der die kommunalen Einnahmen ständig stiegen. Für das Jahr 2013 rechnet Ulm mit 194 Millionen Euro Schulden.
OB Gönner verdanken wir den Versuch, durch raffinierte Anlagegeschäfte eine Toprendite zu erzielen und damit der Stadt neue Einnahmequellen für noch höhere Ausgaben zu erschließen. Überraschend kollabierten das Weltfinanzsystem 2008 und damit auch die Ulmer Hoffnung auf Teilhabe an den Spekulationprofiten. Das Lehrgeld für Gönners pfiffigen Versuch bezahlen die Ulmer gerne (Kanalnetz verzockt, mehrere Millionen Verlust durch Swapgeschäfte der UWS mit der Deutschen Bank). Schließlich haben sie durch die Rührigkeit ihres Oberbürgermeisters viel gelernt.
Die Wirtschaftskrise führt auch in Ulm ab 2010 zu beachtlichen Einnahmeausfällen. Doch unser Ivo bewahrt Ruhe: 18,4 Millionen blättert er für eine Halle hin, in der Basketballspiele von Ratiopharm Ulm (Basketball Ulm /Alb Donau GmbH) stattfinden sollen; weitere 500.000 leistet die Stadt in Zukunft jährlich als Betriebskostenzuschuss für diese sog. Multihalle. Der Ulmer Ruderclub Donau erhält von der Stadt 600.000 Euro für ein neues Vereinsheim. Auch beim völlig zweckfreien Lieblingshobby der Ulmer, ihrem Donaubüro, lässt sich unser Ivo nicht lumpen: 180.000 kostet das jedes Jahr allein die Stadt Ulm; und alle zwei Jahre kommen dann noch einmal mehr als 300.000 fürs Donaufest dazu. Einfach freigebig - unser Oberbürgermeister!
Andererseits kann unser Ivo Gönner aber auch tüchtig sparen. Allein 1,06 Millionen in den nächsten zwei Jahren im Kulturbereich. Was er im Sozialbereich neben dem Schaffnerbad, der Böfinger Stadtteilbibliothek und den Schülerhorten alles demontieren wird, verrät er noch nicht. Ivo ist feinfühlig und schließlich steht Weihnachten vor der Tür.
Ja, unser Ivo Gönner führt sein Amt mit Verantwortungsgefühl und Pflichtbewusstsein. Dafür müssen wir ihm bald eine Marmorstatue auf dem Münsterplatz errichten. Vorläufig freuen wir vom Stammtisch uns darüber, dass wenigstens seine Ulmer Genossinnen und Genossen an ihn gedacht haben: Als Präsent für seine Verdienste um die sozialdemokratische Idee überreichten sie ihm ein Buch von Erhard Eppler. Der Titel: Das Schwerste ist Glaubwürdigkeit. Was schenken Sie Ihrem Ivo zu Weihnachten?
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