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Missbrauch von Senioren zu Propagandazwecken /29.8.07
Wie die Ulmer Presseagentur (upa) meldet, erhebt der Vorsitzende des Seniorenschutzbundes schwere Vorwürfe gegen den amtierenden Oberbürgermeister Ulms. Gönner soll, wie es in einer Pressemitteilung des Seniorenbundes heißt, in den letzten Wochen etliche Seniorinnen und Senioren dazu genötigt haben, sich mit ihm zu Wahlkampfzwecken fotografisch ablichten zu lassen.
Die zahlreichen Fotos, die an exponierter Stelle in der lokalen Presse veröffentlicht wurden, zeigen immer wieder ähnliche Motive: ein väterlich lächelnder Oberbügermeister gratuliert einer scheu blickenden Jubilarin zum 90. Geburtstag, einem Paar mit völlig ausdruckslosem Blick zum 70. Ehejubiläum usf. Der Seniorenschutzbund habe, so sein Sprecher, Dutzende Anrufe verzweifelter Mitglieder aus Ulm erhalten, die eindringlich um Unterstützung ihres Bemühens baten, sich der aufdringlichen Vereinnahmung durch Gönner zu entziehen.
Der Vorsitzende des Seniorenschutzbundes Theophil Quasselstrippe erklärte wörtlich : „Es ist nicht hinnehmbar, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe wie die Senioren zu Propagandazwecken im Wahlkampf von einem Politiker missbraucht wird. In einer Demokratie ist so etwas sittenwidrig. Wir kennen das aus staatssozialistischen Systemen, wie sie im vorigen Jahrhundert existiert haben. In dieser Instrumentalisierung älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger zeigt sich eine eklatante Missachtung der Würde älterer Menschen.“
Ulms OB Gönner wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein Kenner der Ulmer Politikszene, der nicht namentlich genannt werden möchte, merkte an, dass Gönners Wahlkampfstrategie noch eine ganze Reihe von Maßnahmen vorsähe, die der Mobilisierung älterer Mitbürger für die Wahl im Dezember dienten.
Unter dem Codewort „Methusalem“ seien diese Maßnahmen zusammengefasst. So sollen Senioren kostenlose Studienplätze an der Donauakademie erhalten, wenn sie im Dezember zur Wahl gehen. Ausserdem bietet die SPD allen Bewohnern von Seniorenresidenzen am Wahltag Fahrdienste in Bussen an, in denen Kaffee und Kuchen gereicht werden. Pflegeheiminsassen können unentgeldliche Hilfe bei der Briefwahl in Anspruch nehmen.
Wie die Forschungsgruppe Wahlen feststellte, zeigt die Wahlkampfstrategie Gönners bei der Gruppe der Wähler über siebzig erste Wirkungen: einer aktuellen Wählerbefragung zufolge wollen über 90 % der älteren Wähler den Amtsinhaber wieder zum Oberbürgermeister wählen. Allerdings trübt ein Forschungsergebnis die Freude im Rathaus : 35 Prozent der älteren Wähler glauben, dass Udo Botzenhardt der Amtsinhaber ist.
Alle Senioren sind herzlich eingeladen in das Virtuelle Gasthaus. Bei uns werden Senioren nicht instrumentalisiert. Bei uns können sie sich geistig fit halten.
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