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Doping erwünscht – nicht nur im Sport / 26.7.2007
Wir sind eine Leistungsgesellschaft, da darf man nicht zimperlich sein. Das Wohlergehen unseres Landes hängt schließlich davon ab, wie es im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Unsere Kindergärten, unsere Schulen und Hochschulen, unsere Sportvereine und Unternehmen müssen besser sein als ihre Konkurrenten in Italien, Australien und China. Nur wer an der Weltspitze steht, kann den Wohlstand dauerhaft sichern – und nur auf Wohlstand kommt es an, dem Volk wie dem Einzelnen. Wer im Konkurrenzkampf als Sieger vom Platz gehen will, kann auf Doping nicht verzichten. Für den Kampf um die beste Leistung müssen sich alle präparieren, der Grundschüler ebenso wie der Vorstandsvorsitzende, dazu sind wir Bürger eines modernen Staates moralisch verpflichtet. Um die besten physischen und psychischen Voraussetzungen herzustellen, sind alle Mittel erlaubt, und selbstverständlich wissen das auch viele und halten sich bereits daran.
Oder glauben Sie etwa, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel könnte so erfolgreich gegen die Betreiber alter, gefährlicher Atomkraftwerke streiten, wenn er seinen Körper nicht täglich über die Nahrungsaufnahme mit zusätzlichen Fettrationen stärken würde?
Oder sind Sie ernsthaft der Ansicht, der VW-Konzern könnte so gigantische Umsätze erzielen ohne das exzellente Betriebsklima, das hauptsächlich dem Wirken von Betriebsräten zu verdanken ist, die durch aktives Testosteron-Doping in Brasilien Körper und Geist für ihre Aufgaben vorbereiten?
Millionen von Mitbürgern und Mitbürgerinnen machen sich täglich mit Alkohol, Nikotin und Medikamenten fit für den Leistungswettbewerb und tragen durch diese Form des Dopings in verantwortungsvoller Weise zur Steigerung unseres Wirtschaftswachstums bei. Auch in der Familie hat das Doping Einzug gehalten: Ohne die regelmäßige Verabreichung hochwertiger Präparate unserer pharmazeutischen Industrie könnten viele Schülerinnen und Schüler im täglichen Wettkampf auf dem Pausenhof und in den Klassenräumen nicht so erfolgreich bestehen.
Sie sehen also, verehrte Leser, es wäre geradezu kontraproduktiv für unsere Gesellschaft, Doping nicht zuzulassen. Forderungen wie sie in der programmtischen Diskussion der SPD um ein neues Grundsatzprogramm erhoben werden, z.B nach einem strikten Rauchverbot auch auf dem häuslichen WC, gehen völlig in die falsche Richtung.
Wir brauchen kein Dopingverbot, sondern die systematische Ausdehnung des Dopings auf alle Lebensbereiche, auch auf die privaten (Viagra), nur so schaffen wir den Wohlstand der Nation und somit das Glück des Einzelnen.
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