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Bundesverdienstkreuz oder : Ehre, wem Ehre gebührt / 24.2.08
Dem Leiter des Ulmer Donaubüros soll das Bundesverdienstkreuz verliehen werden, so meldete die Lokalpresse. Der Donaufisch lässt Sie teilhaben an den großen Gefühlen Peter Langers, der von der bevorstehenden Ehrung erfahren hat. Und wir erzählen von der ganz unerwarteten Wende dieser Geschichte.
Es waren noch keine zehn Minuten seit dem Anruf vergangen. Die Mitteilung des Lokalreporters, dass er geehrt werde, wirkte berauschend wie ein Glas Champagner und beflügelte die Fantasie ...
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Peter Langer stand vor dem Spiegel und betrachtete das rote Kreuz auf seinem Jackett, in dessen goldener Mitte ein schwarzer Adler prangte. Der Ministerpräsident hatte es ihm persönlich an die linke Brust geheftet. Der Oberbürgermeister und die Honoratioren hatten applaudiert. Am Ende der Feierstunde im Rathaus hatten ihm die Stadträte von CDU und Freien Wählern die Hand gedrückt und ihre herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Ein menschlich anrührender Moment! „Für besondere Leistungen auf kulturellem Gebiet...“ hatte der Herr Ministerpräsident in seiner Ansprache gesagt. Ja, er hatte wirklich Hervorragendes geleistet beim Aufbau eines alternativen Kulturlebens in dieser vom Geist des Verzichtes geprägten Stadt. Er war – in aller Bescheidenheit – der Prometheus Ulms.
Beim Blick auf die hohe Auszeichnung kamen dem Direktor die Namen großer Männer in den Sinn, denen diese Ehrung zuteil geworden war : Nicolae Ceausescu, Josip Broz Tito, Hans Filbinger und Heinrich Lübke; aber auch Ernst Jünger und Otto von Habsburg – und erst vor wenigen Jahren ein ganz Großer im deutsche Bankgeschäft : Klaus Zumwinkel.
Der Geehrte genoss das erhebende Gefühl. Im Geiste sah er zukünftige öffentliche Veranstaltungen: Kurz nach seinem Erscheinen würde ein Verantwortlicher ans Mikrofon treten und die Worte sprechen: „ Wir begrüßen in unserer Mitte den Direktor des Donaubüros und Träger des Bundesverdienstkreuzes, Peter Langer...“ Fortan würde er seine Auszeichnung immer tragen, bei Tag und auch bei Nacht, ja auch bei gelegentlichen Treffen mit den Freunden und Kampfgefährten von damals, als es galt im Geiste Maos und Stalins für die Revolution in Deutschland zu kämpfen. Er war froh, dass sein Herz immer noch links schlug - genau unter der Stelle, wo nun die Auszeichnung prangte. Entschlossen blickte der Träger des Bundesverdienstkreuzes in den Spiegel und sagte: „Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der wichtigste Linke im Land?“ Lange herrschte Stille im Raum. Verlegenes Räuspern. Dann antwortete der Spiegel: „Ihr, Herr Langer, seid der wichtigste Linke im Land. Aber Bütikofer und Trittin, bei den grünen Zwergen in Berlin, Sind noch tausendmal wichtiger als Ihr.“
Einen Augenblick lang drohten Hochgefühl und Stolz zu schwinden. Doch als sich der Geehrte an die Brust griff und das edle Kreuz zwischen den Fingern spürte, verflog aller Ärger im Nu. Was scherten ihn die alten Genossen vom KBW? „Links sein“ - bedeutete das überhaupt noch etwas? Er, Peter Langer, war der Erfinder des genialen Donaufestes. Er war der Stadtkommissar für Völkerverständigung. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes. Das allein zählte. Ehre, wem Ehre gebührt.
Das Klingeln des Telefons riss Direktor Langer aus seinen schweren Gedanken. Wer konnte das sein zu so später Stunde? Jemand aus Stuttgart? Aus Berlin? Am anderen Ende der Leitung war der Chef der Lokalredaktion, er klang sehr aufgeregt. „Leider ist uns in der Redaktion ein Irrtum unterlaufen. Auf dem Fax aus Stuttgart war die Druckertinte verwischt. Jetzt haben wir Gewissheit. Das Verdienstkreuz erhält Lothar Langer aus Blaustein, Sie wissen doch, der Ökometzger, der immer die Bratwürste fürs Donaufest liefert. Herr Langer, sind Sie noch dran? Herr Langer? Herr Langer?“
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