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Ulm trägt schwarz / 21.4.2010

Heute am 22.April findet in Ulm die Trauerfeier für den in Afghanistan durch eine Granate getöteten Oberstabsarzt statt. Nicht-öffentlich, so bleibt den Menschen wenigsten Heuchelei und pathetische Politikerphrase erspart. Wann wird der erste Redner anlässlich einer solchen Trauerfeier die Wahrheit sagen? „Getötet haben diesen jungen Mann Soldaten der islamistischen Taliban. Verantwortlich für seinen Tod sind aber auch Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister Guttenberg“.

70 Prozent der Deutschen sind gegen eine weitere Beteiligung der Bundeswehr am Krieg in Afghanistan. Die Bundeswehr ist dort nicht mehr Aufbauhelfer, sondern Streitmacht. 100.000 Soldaten aus 44 Ländern kämpfen gegen 5.000 Guerillakämpfer. Was in der Vergangenheit weder Briten noch Russen gelang, wird auch der Bundeswehr und ihren Verbündeten in Afghanistan mit militärischen Mitteln nicht gelingen.

Zu dieser Einsicht ist Bundeskanzlerin Merkel unfähig. Von ihr dürfen die Deutschen nicht erwarten, dass sie die Bundeswehr in absehbarer Zeit abziehen wird. Wäre es 2003 beim Beginn des Irakkrieges nach Frau Merkel gegangen, hätte sich Deutschland der „Koalition der Willigen“ angeschlossen und die Bundeswehr stünde heute auch im Irak.

Wir sollten alle zeigen, dass wir von der deutschen Regierung die Umsetzung des Willens der Bevölkerung und den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan verlangen. Und wie können wir das tun?

Ganz unspektakulär: Wie wäre es, wenn immer mehr Menschen einen Trauerflor trügen? Zuerst in Ulm, ein paar Dutzend, ein paar Hundert…dann in Köln, Magdeburg, Hannover, Augsburg…

Einen Trauerflor, der jedem sagt: Ich trauere um Soldaten und Zivilisten, die in Afghanistan getötet wurden und verlange, dass die Bundeswehr sofort abgezogen wird.

Einen Trauerflor, der zeigt: Ich wähle keinen Kandidaten mehr für ein öffentliches Amt, der für eine weitere Beteiligung der Bundeswehr am Krieg ist.

Vielleicht stehen ja bei der nächsten Trauerfeier in Ulm schon einige Menschen mit Trauerflor vor der Kaserne. Öffentliche Trauerfeiern sollten wir nicht Kriegsbefürwortern überlassen, die sie für ihre Zwecke missbrauchen.

Wer immer noch nicht weiss, wohin die sicherheitspolitische Reise Deutschlands in den kommenden Jahren geht, dem hat es der deutsche Verteidigungsminister deutlich gesagt: "Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein – wohl nicht nur in Afghanistan“ (Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) auf einer Trauerfeier im April 2010)